„Dorfkonferenz“ der SGK Westerwald mit Ideen für Kommunalpolitiker

Veröffentlicht am 05.11.2010 in Kommunales

„Ich habe ein paar neue Ideen für mich mitgenommen“, resümierte einer der anwesenden Ortsbürgermeister seine Teilnahme an der „Dorfkonferenz“ der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik (SGK) im Westerwald im Bürgerhaus Wirges.
„Genau das war unser Ziel“, zeigte sich die Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Dr. Tanja Machalet zufrieden mit der von ihr moderierten Veranstaltung. In einer Kombination aus Fachvorträgen und Praxisbeispielen aus dem Westerwald wurde den Teilnehmern eine Reihe von Aspekten einer zukunftsfähigen Politik für die Dorfgemeinde aufgezeigt.

Burkhard Müller, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Landkreistages, eröffnete die Konferenz mit einem Referat zu den Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Kommunalpolitik. Dabei betonte er die Chancen deutlich stärker als die Risiken. Ohne Förderung des ehrenamtlichen Engagements, so ist er überzeugt, werde die dringend notwendige Stärkung der Eigenverantwortung in der Gemeinde nicht gelingen.

Verbandsbürgermeister Peter Klöckner, Vorsitzender der SGK Westerwald, verwies auf den stärker werdenden Wettbewerb der Gemeinden untereinander. „Die Menschen gehen dorthin, wo die Arbeit ist“, betonte er die Notwendigkeit einer effektiven und nachhaltigen Wirtschaftsförderung.

Robert Freisberg vom Ministerium des Innern und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz erläuterte, dass die Wohnattraktivität eines Dorfes wesentlich die Gesamtattraktivität beeinflusse. Um Wohnungs-Leerständen in den Dorfmittelpunkten entgegen zu wirken, müsse die Gemeindepolitik die Innenentwicklung grundsätzlich vor die des Ortsrandes, also die Ausweisung von Neubaugebieten, stellen. Am Anfang einer zukunftsgerichteten Dorfentwicklung hält er eine offene Stärken- und Schwächenanalyse für unabdingbar.

„Das Zentrum als Herz der Gemeinde“ stand als Überschrift über dem Praxisbeispiel von Karl Jung, Bürgermeister der Gemeinde Oberelbert. Dort hatte man sich vor gut 20 Jahren bei der Planung des Gemeindezentrums „Stelzenbachhalle“ bewusst für eine Stärkung des Ortskerns entschieden. Da eine Einkaufsmöglichkeit vor Ort bei einem Dorf der Größe von Oberelbert wichtig sei, habe man im zweiten Bauabschnitt 2000 die Voraussetzungen für einen Dorfladen geschaffen. „Wenn die Person die Pächterin stimmt, wird ein solcher Laden auch angenommen.“ Dann spielt nach der Überzeugung von Karl Jung das Preisgefälle zu den Discountern nicht die Hauptrolle.

Einen anderen Weg zur Lösung der Grundversorgungsproblematik im Ort wollen die Gemeinden Kundert und Mörsbach gehen. Egon Müller, Bürgermeister von Mörsbach, erläuterte den ersten Versuch zweier Nachbarorte im Westerwaldkreis, ihre Dorfentwicklung gemeinsam anzugehen. „Ohne die Kommunalreform vorwegzunehmen“, meinte er etwas scherzhaft. Beide Gemeinden blieben selbstverständlich eigenständig, aber „gemeinsam finden wir erfolgversprechendere Lösungen, unsere Einwohner zu ihren Einkaufsmöglichkeiten in den größeren Orten, zum Arzt oder den Behörden zu bringen.“

Die Dorfplanerin Claudia Redlin ist überzeugt, dass das Instrument der Dorfmoderation der beste Weg ist, die Gemeinschaft im Ort zu festigen und die Einwohner auf den Weg der Dorfentwicklung mitzunehmen. „Jedes noch so gute Konzept hat nur dann Erfolg, wenn der ganze Ort überzeugt ist und möglichst viele aktiv an der Umsetzung mitarbeiten“, fasst sie ihre Erfahrung aus einer Reihe von Moderationen zusammen.

In einer Ideenbörse im Foyer des Bürgerhauses konnten sich die Teilnehmer bei der AWO-Gemeindepsychiatrie in Verbindung mit der Fa. AFU-Ihre Kette, der Nachbarschaftshilfe Montabaur, der Bürgergemeinschaft MACH MIT e.V. aus Hillscheid und dem Bürgermeister von Merkelbach Edgar Schneider, der ein Dorfcafé und die Idee eines Dorfmuseums vorstellte, über Praxisbeispiele für eine aktive Dorfentwicklung aus dem Westerwald informieren.

 

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